Mit heilenden Händen Gäule auf Trab bringen

Tölzer Physiotherapeutin kümmert sich ausschließlich um Pferde – und hat eine Marktlücke entdeckt

Von Ruth Schneeberger

Bad Tölz - Viele kleine Mädchen schwärmen für Pferde, möchten Reiten lernen oder gar ein eigenes Pony besitzen. Dass sie ihr Hobby auch im Erwachsenenalter noch verfolgen und sogar zum Beruf machen, ist jedoch selten. » Britta Wauts [jetzt Rotter] hat genau das getan: Sie ist nicht nur ihrem Isländer treu geblieben, den sie seit dem 13. Geburtstag besitzt, sondern sie kümmert sich um noch sehr viel mehr der stolzen Tiere: als Pferde-Physiotherapeutin.

Ungewöhnlich ist dieser Beruf nur in Bayern. In Nordrhein-Westfalen, wo Britta Wauts [jetzt Rotter] ursprünglich herkommt, gibt es viele Physio-Therapeuten für Pferde. Hier allerdings konnte sie schnell auf eine große Schar von Kunden stoßen, weil die Nachfrage noch wesentlich größer als das Angebot ist. So machte sich die inzwischen 26-Jährige schnell selbständig. Und ist nun mehrmals die Woche unterwegs zu ihren vierbeinigen Freunden.

Wo auch immer es zwackt, ein Pferd lahmt oder schief läuft, ist sie zur Stelle. Denn: Was für den Menschen gut ist, kann für Pferde doch nicht schlecht sein. Zumindest, was die Physio-Therapie angeht. Auch » Britta Wauts [jetzt Rotter] ist eigentlich ausgebildete Physio-Therapeutin für Menschen. Als sie allerdings von einer Weiterbildung erfuhr und die Chance sah, ihren Lieblingstieren auch beruflich näherzukommen, sattelte sie um. Sehr viel anders sei das nicht, bei den Tieren. Einziger großer Unterschied: Sie sind empfindlicher. Kaum zu glauben, aber wahr: So mancher Warmblüter möchte in der Behandlung sanfter angefasst werden als die meisten Menschen. Grund: „Die Tiere wissen, was ihnen gut tut, während viele Menschen meinen, es hilft erst, wenn-s wehtut“, hat Wauts [jetzt Rotter] die Erfahrung gemacht.

Ob es nun ein Hobby-Reiter ist, der sie ruft, oder ein professioneller Pferdesportler, dessen Pferd auf Trab gebracht werden muss – Britta Wauts [jetzt Rotter] kann oft helfen. Rund 75 bis 100 Euro kostet der Erstbefund, danach wird es günstiger. Nachdem sie erst mal diagnostiziert hat, was dem Tier fehlt (durch Gelenke-Abtasten, Muskelverspannungen aufspüren und Wirbelsäule untersuchen), helfen oft einfache Massagen oder Tipps für den Menschen, wie er sein Pferd behandeln soll. „Pferde sind nun einmal nicht dafür gemacht, dass Menschen auf ihnen reiten“, weiß die Expertin. Da kommt es oft zu Verschleißerscheinungen, Fehltritten oder Gebrechen, die sich durch eine sanfte Behandlung lindern lassen.

Das passiert häufig. So dass die Pferde-Mama sich über fehlende Aufträge nicht beschweren kann. Unter » www.pferde-physio.net kann man sich unter anderem auch darüber informieren, wann und wo Britta Wauts [jetzt Rotter] » kostenlose Seminare anbietet, in denen sie erklärt, in welchen Fällen eine Physio-Therapie für Pferde nützt.

» Süddeutsche Zeitung, 21.02.2004

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